Durch die Blumen

Wenn Blumen in alten Versandhallen blühen

Seit einigen Jahren steht das ehemalige Quelle-Areal in Nürnberg leer und wird zwischenzeitlich immer wieder für spektakuläre Ausstellungen und Kunstaktionen genutzt. In diesen riesigen Lagerhallen wurden einst Versandwaren gelagert, verpackt und verschickt. Das Gebäude wurde von dem Architekt Ernst Neufert geplant und in mehreren Bauabschnitten von 1955 bis 1967 errichtet. Seit 2006 steht es unter Denkmalschutz.

Tania Engelke läßt dort 2013 ihre Blumenstücke erblühen. Für diese Ausstellung entwickelt sie die Installation „Die Rückkehr der schönen Gärtnerin“ und bezieht sich bei dem Titel auf ein Bild von Max Ernst. Stiefmütterchen, Krokus, Mohn und Clematis ranken an einer alten Wand empor. Der Kontrast zwischen den fein gemalten Aquarellen und dem Charme der Vergänglichkeit einer verlassenen Industriehalle ist groß.

Jeder Blume, die die Künstlerin hier zeigt, wird eine Bedeutung zugeschrieben. Die Bedeutung und Symbolik der einzelnen Blüten ist heute so gut wie verloren gegangen. Eine rote Rose steht für die Liebe, aber wer weiß noch, dass der Mohn für Schlaf und Tod steht?

„Durch die Blume sagen“, „Lasst Blumen sprechen“, „Etwas ganz unverblümt sagen“, in der deutschen Sprache gibt es viele Hinweise auf die Kunst des „Blümelns“, wie die Blumensprache auch genannt wird. Anfang des 18. Jahrhunderts wird die Blumensprache in Europa schnell zu einer Modeerscheinung. Nonverbal konnten so Gefühle vermittelt werden. In der Bildenden Kunst fand die Symbolik der Blumen und Pflanzen in der Stilllebenmalerei der niederländischen Meister im 17. Jahrhundert ihren Höhepunkt.

Dr. Karl Neumeyer, Das Paradiesgärtlein von Tania Engelke, 2014

Der Zauber der Blumen

Kleine Blumenstücke nach großen Nürnberger Vorbildern

Blumendarstellungen sind seit jeher ein beliebtes und vertrautes Thema in der Kunst gewesen. Die Alltäglichkeit und die leichte Begreifbarkeit machen sie zu einem zeitlosen Bildsujet und verzaubern den Betrachter immer wieder neu. Tania Engelke knüpft in ihren Blumendarstellungen an die Stillleben Tradition niederländischer Meister oder an die Blumendarstellungen der Sibylla Merian an und interpretiert sie auf ihre ganz eigene Weise. Die Schwertlilien von Albrecht Dürer, zum Beispiel setzt sie als überdimensional großen FIneArt Print am Computer um.

Tania Engelke arbeitet fast ausschließlich auf Papier. Dabei wird das Aquarellpapier entweder auf einen Keilrahmen gespannt und anschließend bemalt, oder auf Holz kaschiert, bemalt und später ausgesägt. Bei der „Schwertlilie nach Maria Sibylla Merian“ schneidet sie die gemalte Blüte aus und präsentiert sie schwebend in einem Rahmen. Die Rückseite der Blüte ist mit grüner Neonfarbe bemalt. So entsteht eine leicht grüne Aura.

Tania Engelkes Blüten sind stets aus ihrer natürlichen Umgebung herausgelöst, sodass sich der Blick des Betrachtes auf das Blütenmotiv fokussiert.

„In meinen Arbeiten gibt es stets verschiedene Zyklen, meist sind es mehrere Motive einer Bildidee. Durch die bildnerische Vergegenwärtigung einer Blüte wird der Prozess der Vergänglichkeit angehalten und zu einem Bild des Erinnerns, einem Memento Mori.“

Dr. Karl Neumeyer, Das Paradiesgärtlein von Tania Engelke, 2014

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